Mein erster echter Blog Eintrag und
das Webdesign ist noch nicht umgesetzt…

Aber es gibt Themen die einen so bewegen,
das man den geplanten Ablauf daran anpassen muss. :)

Auf unserem WG Tisch lag eine meiner “alten” NEON Ausgaben (Oktober 2007),
die ich für die WG zum Lesen “freigegeben” habe.

Beim Abendbrot versuchte ich mich an dem Rätzel der Ausgabe.
Nach drei gefunden Wörtern blätterte ich die NEON von hinten nach vorn durch und
blieb am Artikel “Hits ohne Hörer” fest.


Am Anfang des Artikels steht da eine Frage.

NEON:
Wer verfolgt eigentlich noch die Charts?

Meine Antwort: Ich nicht mehr.
In dem Augenblick fällt mir das vorgestrige Telefonat mit meinem Vater ein,
bei dem es – wie jedes Jahr um diese Zeit – auch um das kommende Weihnachtsgeschenk ging.
Mein Vater war sehr überrascht – und erfreut – als ich ihm gesagt habe,
dass ich mich über die CD “Il Progetto Vivaldi” von der Cellistin Sol Gabetta freuen würde.
Auch mich überrascht mein derzeitiges Interesse an klassischer (Film-)Musik.

Es wird sogar noch ein wenig abstruser,
seit einigen Jahren bin ich musikalisch auf immer neuen Wegen.
Sei es die Ohrbooten mit der Richtung Reggae-HipHop-Ska-Mix,
alte Pink Floyd Lieder, Hobbykünstler oder seit kurzem die Monsters of Liedermaching.

Wenn ich doch mal auf NRJ oder Konsorten schalte,
dann wundere ich mich was da z.T. läuft.
Du Dich auch? Hier die Erklärung.

NEON:
50.000 Stück (Alben, Anmerkung von mir) pro Woche reichen,
um sich an der Spitze
(der Charts, Anmerkung von mir) zu behaupten.

Das erklärt natürlich warum die Charts zur Zeit so bescheiden sind.

NEON:
Es wird noch etwas mehr als ein Viertel
der Menge
(an CD-Alben, Anmerkung von mir) von vor zehn Jahren verkauft.

oder

NEON:
Der einst größte (deutsche, Anmerkung von mir) Markt Europas ist heute
nicht größer als der hölländische.

Das Fazit der Musikindustrie,
es liegt an der Musikpiraterie im Internet und an CD-Raubkopien.
Das musste ich zumindest öfters in den Zeitungen (On- wie Offline) lesen.
Gegenmeinungen dazu gibt es viele, doch die NEON bringt es auf den Punkt.

NEON:
Wer sich jahrelang an das gewaltig und
diversifizierte Musikangebot des Internet gewöhnt hat,
der kehrt nicht so einfach zu dem Regal zurück,
in dem die traurigen zehn Silberlinge stehen,
die laut Media Control derzeit den Musikgeschmack der Deutschen repräsentieren.

Bei mir war es genau so.
Kennt wer noch Audiogalaxy?
Ich fand Audiogalaxy gut, denn es hat einem immer alternative Künstler vorgeschlagen und
in den Foren wurde viel über die Künstler oder das Album diskutiert.
In dessen Blütezeit habe ich so viel andere Musik kennen gelernt
wie zu keinen Zeitpunkt mehr davor oder danach.
Ab da hat es bei mir die ersten musikalischen Seitensprünge gegeben.

Audiogalaxy gibt es auch noch (Stand November 2007).
Selbe URL aber es heißt jetzt Audiogalaxy Rhapsody und
der kostenpflichtige Dienst steht leider nur für die USA zur Verfügung.

Zu dem Dienst gibt die NEON ein paar interessante Zahlen her,
welche die obige These nochmals unterstützt.

NEON:
Chris Anderson, Chefredakteur des Magazins “Wired”
untersuchte für einen Artikel die Downloadzahlen eines
legalen Musikportals – Rhapsody – im Internet.
” …
Wie viele Songs muss ein solcher Laden im Angebot haben,
um etwa die Nachfrage des Publikums zu befriedigen?
” …
Bis weit über Nummer 100 000 hinaus wurde jeder Song
mindestens einmal im Monat heruntergeladen.

NEON:
Wir sind unterschiedlicher, als uns die Marketingabteilungen
der Kulturindustrie glauben machen, sagt Anderson im Interviewmit NEON…

Ich denke jeder freut sich,
wenn man sich nicht in Schublade stecken lässt.

Doch NEON und auch ich sehen einen kleinen Haken.
Ich sollte mal Musik für eine Party auflegen.
Schwierig war der unterschiedliche Musikgeschmack.

Anderes Beispiel:
Ich finde die Ohrbooten genial aber
ein guter Freund von mir kann – trotzt sonst ähnlicher Musikrichtung – wenig anfangen.
Mit der Reaktion hatte ich damals nicht gerechnet aber
zum Glück lässt sich ja bekanntlich über sowas streiten.

NEON beschreibt das Ergebnis so:
Es kommt kein Gespräch zustande.
Anstelle einer Unterhaltung entfalten sich
(…) Monologe am Tisch.

Damit fällt also auch die Kommunikation darüber.
Für die jetzige Richtung hat NEON zwei nette Beschreibungen parat.

NEON:
Anderson nennt es die massive Parallelkultur
Jeder sein eigener iPod-DJ

Weiter geht der Artikel auf die Konsequenz ein,
das die Verbindung Musik und Geschichte damit zur Vergangenheit wird.

NEON:
Große Hits hatten in der Vergangenheit immer etwas Verbindendes. (…)
der über alle Generationen zusammenhielt und unversöhnliche Welten vereinte.

Ich denke auch diese Zeit wird durch generelle Musik geprägt.
Ein Beispiel ist die WM 2006 oder sei es – leider – durch Herrn Bohlen.
Doch schwierig wird es im Alter uns eine CD Sammlung wie
“Die Hits der 2000ter” zu verkaufen, denn jeder war auch “sein eigener iPod-DJ“.
Obwohl, vielleicht finden wir die Musik im Rentenalter mal gut!? ;-)

NEON:
Zu Ende sein dürfte nur die Zeit, in der Charts und Hitparaden
den Takt der Gegenwart vorgaben wie Diktatoren.

Da bin ich ganz anderer Meinung.
Ich denke die Gegenwart hat die Charts und die Hitparaden zu dem gemacht,
denn schließlich ist Musik von Menschen gemacht und
diese sind von Ihrer Zeit geprägt.
Auch ein Grund warum sich Musik verändert.

Auf heute übertragen bedeutet das wir überall mehr Entscheidungen tätigen müssen.
Angefangen von der Auswahl der 40+ Waschmittel im Supermarkt, dem Telefon-Vertrag,
der Ausstattung des Autos oder den Möglichkeiten in unserem Leben.
Wir haben und wir fordern immer mehr Individualisierung,
dadurch müssen wir uns auch immer mehr für etwas entscheiden und
das zeigt sich jetzt auch für mich in der Musik.

NEON, die Erkenntnis:
Hits und Blockbuster waren ja auch nur eine Erfindung
des 20. Jahrhunderts, sagt Chris Anderson.
Wir wurden in diesem Jahrhundert synchronisiert durch
die Technologien von Radio und Fernsehen.
Davor war die Kultur zerstückelt – auseinandergerissen durch geografische Entfernungen.
Und heute wird sie wieder zerstückelt – durch die Unterschiedlichkeit unserer Interessen.
Man könnte also sagen: Wir kehren grade zum Normalzustand zurück.

Also ich denke das ist wie eine Welle,
in der es mal zwischen dem einen und dem anderen wankt.
Sicher war die Kultur damals auseinandergerissen aber
auch ein Schriftstück wie die Bibel (oder andere Bücher und Geschichten)
haben sich verbreitet / wurden weitererzählt.
Und es wird etwas verbreitet / weitererzählt wenn es (einem) wichtig bzw. interessant erscheint.
So ist es auch mit dem Radio / TV.
Die Sender (auch nur Menschen) versuchen das zu senden was den meisten interessiert,
um damit Geld zu erwirtschaften.
Und da auch Musik durch die Geschichte geprägt ist (wie oben erläutert) + dessen Hörer und
unsere Welt sich immer mehr vernetzt (Unwort: globalisiert) wird es
auch immer mal wieder Musik geben, die alle anspricht (Beispiel 9/11).
Doch abseits dieser globalen Geschichte,
die auf verschiedenen Ebenen stattfindet und uns prägt,
gibt es den eigenen Geschmack für den wir uns entscheiden und
dadurch auch wieder als Person wirken.
Nach dem Motto: “Man hört was man ist”

Auf die Ursprungsfrage zurück zukommen:
Gibt es noch echte Hit-Lieder?

Ja, es gibt Sie auf jeden Fall.
Die Frage ist was ich unter “echt” definiere.
Aber was ist echter als meine Hits??
Und darunter gibt es oder wird es sicher welche geben
die noch so echt sind wie die alten Echten, es werden halt nur weniger.

Links zum Artikel:



4 Responses to “Gibt es noch echte Hit-Lieder?”

  1. Aki Arik Says:

    Hey, echt ein super Artikel. Kompliment!

    „Wer verfolgt eigentlich noch die Charts?“

    Muss ich überhaupt noch die Charts, die Tops des Massenmarktes verfolgen? Sind mir nicht meine eigenen „Hits“, mein eigener Geschmack wichtiger, als immer zu gucken, zu hören, zu denken, was andere machen?

    Und einerseits ist ja diese Vielfalt an Möglichkeiten faszinierend. Immer wieder etwas Neues und ganz anderes auszuprobieren. Sich nicht auf einen Weg festlegen zu müssen. Aber anderseits hat man ständig das Gefühl etwas zu verpassen, weil man gar nicht alles ausschöpfen und erleben kann. Ständig irgendwelche verpassten Gelegenheiten und Chancen. Andauernd muss man entscheiden. Immer irgendwas ausschließen, ohne sicher zu sein, ob die Wahl auch richtig war.

    Finde ich gut, wie du beschreibst, wie unser Streben nach Einzigartigkeit und Individualität zugleich dazu führt, dass die Gemeinsamkeit und die gemeinsamen Interessen, Themen u.s.w. immer weniger werden.

    Einen Punkt sehe ich aber anders. Stimmt zwar, dass „die Kultur“, durch den großen Abstand der Kulturen zueinander, auch früher zerstückelt war. Aber ich glaube, nur dann, wenn man „die Kultur“ aus der Ferne, global betrachtet. Nur dann scheint es heute genauso zu sein, wie vor den Massenmedien – „nur diesmal eben zerstückelt durch die Unterschiedlichkeit unserer Interessen“.

    Denn die für den Einzelnen relevante Kultur war doch damals die unmittelbare Umgebung, mit der man sich ausgetauscht hatte – und die war doch noch nicht so stark individualisiert und fragmentiert. Ob die Kulturen untereinander zerstückelt waren, hat einer in seinem täglichen Leben ja gar nicht gemerkt.

    Von daher ist es heute schon anders. Schreibst du ja selbst: „Ich sollte mal Musik für eine Party auflegen. Schwierig war der unterschiedliche Musikgeschmack.“ Also heute betrifft einen das unmittelbar. Gleichgesinnte zu finden, wird deshalb vielleicht immer schwieriger. Je individueller die Menschen werden.

    Wenn wir bisher durch die Massenmedien synchronisiert wurden. Und die Zeit der Massengesellschaft zu Ende geht. Vielleicht wird es jetzt wichtig, dass die Menschen anfangen, sich selbst zu synchronisieren – z.B. über das Internet. Oder was meinst du ?

  2. Francois Says:

    Erst mal Hallo Aki Arik! :)

    Ich stimme mit Dir soweit ein.
    Damals war diese globale Sicht einfach nicht gegeben oder
    sagen wir global in dem Sinne hat etwas anderes bedeutet.
    Was mich auf die Frage bringt ob unsere heutige globale Sicht in Zukunft noch als global anerkannt wird!?

    Ok, zurück zum Thema:
    Ist das wirklich das Ziel Menschen untereinander zu synchronisieren?

    Ich denke es ist eher das Eigene das man mit wenigen teilt,
    das “Mainstreamige” was man mit vielen teilt und
    die damit verbundene Toleranz.

    Im Bezug auf das Internet heißt das, man findet sich mit anderen zusammen und das auf verschiedenen Ebenen.
    So wie man Freunde hat mit denen man am liebsten weg geht,
    welche mit denen man lieber einen Spieleabend macht oder
    (faßt) alle die gerne Fußball spielen.
    Das Internet ist die Plattform um sich finden zu können und aus zu tauschen – so wir wir jetzt. :D

    Im Bereich Musik lernen wird Induvidualität und – hoffentlich – Toleranz aber wie schaut es in anderen Berichen aus?
    Faßt jeder trägt die selben Schuhe, die selben tragbaren Musikabspielgeräte, Handys, Autos, etc.

    Die Hersteller versuchen schon alles zu Induvidualisieren,
    weil wir das wollen aber wird uns das so in Zukunft ausreichen?

    Für mich steht fest, das durch das Internet die Individualisierung gesterkt werden kann, denn man sieht so viel und…
    …kann sich damit auseinander setzen und für sich entscheiden wie man dazu steht.

    Aber wie erreichen wir das bei Schuhen, Autos, etc.?
    Es wird noch spannender Weg.

  3. Aki Arik Says:

    Hi Francois, im neuen Cicero gibt es einen Artikel von von Matthias Horx zu deinem Thema: “Die Sehnsucht nach mehr Induvidualität” http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=2221
    Vielleicht interessant für dich ?

  4. Francois Says:

    Hi!
    bin leider erst jetzt zum Lesen des Artikels gekommen.
    Und ich danke dir für diesen sehr interessanten Artikel!
    Der Artikel ist gut geschrieben und behandelt das Thema Individualität so gut das einem fast nichts mehr zur Ergänzung einfällt.
    Danke dir auch für den Zeitschriften Tipp, Cicero kannte ich nicht.
    Grüße Francois

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