Transparenz im Unternehmen – was ist das eigentlich und wer braucht das?

Transparenz im Unternehmen wird oft gefordert und auch als wichtig gesehen.

Gerade in einer Arbeitswelt die sich immer wieder ihrer Umgebung anpassen muss,
um langfristig Kundennutzen zu stiften und damit zu überleben.

 

Dazu vier Fragen auf die ich eingehen möchte:

  • Wer braucht diese „Transparenz“?
  • Was muss eigentlich transparenter werden?
  • Braucht Führung die Transparenz ihrer Mitarbeiter?
  • Warum überhaupt Transparenz?

Auf alle vier Fragen könnte man wie ein typischer Berater mit “es kommt drauf an” beantworten,
doch es gibt auch eine Basis und die möchte ich hiermit versuchen zu definieren.

Im vollen Bewusstsein, dass es keine Blaupause gibt aber es braucht Überzeugungen, Reibungen damit sich etwas bewegt. Nach diesem Disclaimer fangen wir an…

 

# Wer braucht diese „Transparenz“?

In einer komplexen Arbeitswelt (=in der Ursache-Wirkung erst im Nachhinein gebildet werden kann), geht es darum die Entscheidungen soweit zum wertschöpfenden Menschen zu verlagern, sodass dieser flexibel handeln kann.

 

Das bedeutet Verantwortung zu übernehmen und zwar kleine und große.

So kann keiner zum Beispiel mehr auf die “schlechten Entscheidungen” der Führung verweisen. Sondern nur noch darauf, dass etwas entschieden wurde und im Nachhinein sich das als zieldienlich oder eben nicht entwickelt hat.

Und das diese Entscheidung durch die Betroffenen und idealerweise durch den Menschen oder Menschengruppe getroffen wurde, die dazu die meiste Fachkompetenz besitzt.

Mitarbeiter arbeiten also so nicht mehr einfach “mit”, sie arbeiten auch am Unternehmen, daher finde ich die Bezeichnung Menschen oder Kollegen passender.

 

Wenn Kollegen betriebswirtschaftliche und ökonomische Entscheidungen treffen sollen,
ja sogar müssen, was brauchen diese also?

 

# Was muss eigentlich transparenter werden?

Alles was dazu führt bessere Entscheidungen zu führen, für die Kollegen.

Und damit kommen wir dazu was eigentlich diese Transparenz ist.

Beispiele:

 

Beispiel 1: Entscheidung zur einer Promotion

Wie soll ein Kollege entscheiden, ob es Sinn macht ein bestimmtes Produkt oder Artikel zu promoten, wenn er die Marge des Produktes / Artikels nicht mit den Anderen vergleichen kann?

 

Beispiel 2: Entscheidung zu einer Einstellung eines neuen Kollegen

Was brauchen Kollegen, um selbst zu entscheiden ob sie jemanden einstellen sollen und können oder doch die Arbeit noch weiter optimieren müssen? 

 

Beispiel 3:
Entscheidung Team verkleinern oder sogar auflösen

Was brauchen Kollegen um zu entscheiden, dass sich das Team/Bereich so nicht mehr trägt und es besser ist, wenn sich ein, zwei oder alle Kollegen im Unternehmen umschauen und dort helfen wo es für sie auch für das Unternehmen mehr Sinn macht.

Denn Arbeit ist immer genug da. Sie verlagert sich nur immer mal wieder.

Eine meiner Überzeugungen: wenn das Interesse da ist, dann kann auch jeder so ziemlich alles machen. Alles? Nein aber eben schon ziemlich viel. Und erst recht mit einer guten Portion Begeisterungsfähigkeit und Neugierde.

Und wenn das alles nicht gegeben ist?
Dann müssen Kollegen auch erkennen, wann eine Trennung für alle am besten ist.

 

Die Beispiele zeigen konkrete Themen und doch deckt es das Feld noch nicht vollständig ab. 
Deshalb weitere Themenfelder, die sicherlich nicht alles abdecken und doch die Dimensionen aufzeigen:

Themenfeld 1: Lernerfolge

Kollegen brauchen ebenso die Transparenz über Lernerfolge.
Also über Erfolge und Misserfolge. Beides sind Lernerfolge.
Ein Team hat etwas ausprobiert und etwas gelernt, z.B. das es so nicht funktioniert.
Jetzt ist es wichtig, den Kollegen das Wissen zu geben, damit diese kluge Entscheidungen treffen können.

Vielleicht klappt es ja bei Ihrer Kundengruppe oder Ihrem Markt etc aber zumindest sollten diese Erkenntnisse nicht verloren gehen.

Ohne lernen kann ein Unternehmen nicht lange existieren.

 

Themenfeld 2: Konflikte

Konflikte sind Wachstumschancen, denn da prallen zwei Meinungen / Weltsichten / Energien zusammen, die höchstwahrscheinlich zusammen mehr erreichen. 

Nachdem wir hier nicht von Titeln, Positionen, Macht oder anderen Anerkennungen reden, sondern immer unter dem unternehmerischen Sinn und Zweck sowie die Berücksichtigung der Interessen des Einzelnen, wird sich eine Lösung finden und wenn es ein Experiment für eine kurzfristige Dauer ist, um eine Hypothese zu überprüfen.

D.h. es kann sein dass nicht gleich jeder jeden Konflikt mit jedem transparent gemacht wird.

Jedoch sollten alle Betroffen davon wissen, denn langfristig schadet dieser Reibungsverlust und muss irgendwie gelöst werden.

Am besten das diese Energien lernen zusammen zu arbeiten, und so etwas schaffen, dass jeder Einzelne nicht erreichen würde.

 

Themenfeld 3: Zuviel Transparenz & Abläufe verstehen – Rollen & Tätigkeiten Marktplatz

Nicht jeder muss zu jederzeit wissen wer gerade was macht.

Also nicht: “Habe gestern Bohnen gegessen und bin gerade auf dem WC….” 😉

 

Jedoch macht es Sinn das alle Kollege alle Tätigkeiten im Unternehmen grundsätzlich verstehen und sich auch überlegen wie die Zusammenarbeit insgesamt besser gestaltet werden kann.

Auch braucht es diese Transparenz, um mehrfache arbeiten zu vermeiden oder klar zu machen das es Kollegen gewisse Tätigkeit / Rollen abgeben und andere Rollen / Tätigkeiten gerne übernehmen möchten.

Vielleicht wie ein Marktplatz. Rollen sind unsicher aber sicher ist das Arbeit genug da ist.

 

Es gibt mittlerweile einige Unternehmen, die all das und noch vieles mehr leben.
Ist das der Himmel oder die wahrgewordene Hölle auf Erden? Weder noch.
Es ist Verantwortung, Vertrauen und vor allem geht es auf Augenhöhe von mündigen Erwachsenen aus.

 

Braucht Führung die Transparenz ihrer Mitarbeiter?

Erst einmal: die Führung (dazu zählt für mich auch das Management), dass sind zu meist 99% auch Mitarbeiter. Also Angestellte mit einem Arbeitsvertrag, die Lohn erhalten. Keine Unternehmer, keine Inhaber. Nicht alle aber die meisten. Also meist sind alles Kollegen.

Was macht Führung in einer Welt in der Mitarbeiter (und damit Kollegen) entscheiden?

Neue Führung…

  • …sorgt dafür, dass die Kollegen entscheiden können.
  • …bringt Transparenz in komplexe Sachverhalte, für die die anderen Kollegen keine Zeit und Energie aufbringen können.
  • …begleitet Prozesse, die die Verantwortung der Kollegen stärkt.

Diese Aufgaben sind eher Coaching, Facilitator (Begleiter, Unterstützer) und Moderator und das stärker für größere Gruppen.
Diese Art von “Führung”, ich nenne sie in der neuen Arbeitswelt Begleitung braucht keine Transparenz darüber wer gerade was macht.
Sei es, was gerade für Experimente laufen, was eigentlich diese oder jene Person(-gruppe) macht oder wie viel Stunden wer jetzt wie lange arbeitet.

Warum braucht es das nicht? 
Weil diese Begleitung keine fachlichen oder organisatorischen Entscheidungen trifft. 

 

Kollegen treffen die Entscheidungen

Die Kollegen treffen ja sinnvolle Entscheidungen für das Unternehmen und natürlich wird auf die Informationen auch die Begleitung zugreifen können.

Aber der Sinn hinter der Transparenz ist, dass die Kollegen entscheiden können.

Das bedeutet das die Begleiter das Vertrauen haben, dass die Kollegen Ihre tägliche Arbeit tun.
Alles Andere wäre nicht nur Kindergarten und entspräche nicht einem Erwachsenen auf Augenhöhe, sondern würde der klassischen Führung gleich kommen und nicht die eines Begleiters.

Was wäre wenn…

Und wenn ein Kollege nicht seine tägliche Arbeit macht?

Dann leiden die Kollegen drum herum und die sind Erwachsen das selbst zu klären oder mit Hilfe eines Begleiters, der sie unterstützt das zu tun und gleichzeitig das auch zukünftig selbst zu tun.

Und wenn ein ganzes Team nicht mehr seine Arbeit leisten würde?

Ja, dann würde der Kunde oder andere Teams mit denen dieses ausgedachte Team zusammenarbeiten das ansprechen.
Gleichzeitig würden die transparenten Zahlen zeigen das irgendeine Leistung nicht passiert, dass geht dann auf die Kosten der anderen Kollegen und wenn nicht genug Geld eingenommen wurde, dann kann auch nicht das Gehalt voll ausgezahlt werden.
Und wenn das alles nicht passiert, dann ist in diesem ausgedachten Unternehmen scheinbar genug Ressourcen (Geld, Zeit,..) vorhanden, dass es sich das leisten kann.

Aber ganz ehrlich: es gibt, außer der Dalai Lama und andere wenige Erleuchtete, niemanden der mit nichts tun glücklich ist. Leben ist immer noch Bewegung. Die Frage ist ob die Kollegen diese Bewegung in der Arbeit umsetzen wollen und können.

Weitere Aufgaben des Begleiters

Die Begleiter unterstützen die Kollegen auch dabei das Bereiche / Teams im Unternehmen so autonom wie möglich sind, um möglichst alle Kompetenzen zu besitzen, um Mehrwert für den Kunden zu erzeugen.

Das verringert die Abhängigkeiten zu diversen anderen Teams und ermöglicht so schnellere Prozess, um so auch schneller lernen zu können.

 

Wer schafft die Einladung für diese unternehmerischen Tätigkeiten?

Das kann jeder sein.
Es gibt irgendein Problem (ob operativ oder um ein Ziel zu erreichen) und das wird gelöst und dabei kommt das auch heraus.

Am Anfang (in der Phase der Transformation) wird das sicherlich stärker vom Begleiter eingeleitet und später wird es zu einem natürlichen Rhythmus: wenn es nötig oder sinnvoll ist.

 

Warum überhaupt Transparenz?

Warum sollen die die Arbeit machen auch befähigt werden zu entscheiden?

Es gibt einige gute Gründe, hier zwei:

Grund 1: Häufigkeit & Schnelligkeit
Einerseits weil das Umfeld sich schnell dreht. Jeden Tag kommen hunderte neue Apps auf den Markt, sollen wir dieser einen unsere Produktdaten zusenden und auch darüber unsere Produkte oder Dienstleitungen verkaufen? Was ist wenn es das neue WhatsApp wird? Aber die Entscheidung noch in der Führung evaluiert wird? Wer hätte das am Besten entscheiden können?
Und wenn jeder wegen allem auf eine Führung wartet, die wiederum auf eine Führung wartet die entscheidet, dann dauert das…

Vielleicht ist es so wie bei SnapChat, ein kurzer Hype aber hätten wir den sinnvoll mitnehmen können?

 

Grund 2: Komplexität braucht verschiedene Experten und kleinteiliges Vorgehen

Wenn es sich um etwas komplexes handelt, zum Beispiel wir würden einen unbekannten Planeten versuchen zu betreten (es könnte auch ein unbekannter Markt sein), dann würden wir kleine Experimente machen, um zu testen ob da Sauerstoff vorhanden ist, wie groß die Anziehungskraft ist usw. Das würde keine Führung übernehmen sondern ein Team von Experten die mit den Ergebnissen (Daten) direkt arbeiten können, alle Ihr Wissen dazu einbringen können und daraus sinnvolle Handlungen ableiten.

Wenn sich diese Experten alle zwei Wochen für eine Stunde treffen und Ihre Ergebnisse zusammen tragen und dann in Ihre Expertenkammer gehen testen und grübeln, um dann in zwei Wochen ihr Teilergebnis wieder zu teilen, dann braucht dieser Prozess eine nicht nur ewig, sondern das komplexe Umfeld hat sich schon verändert.

Grund 3: Widerstand

Bitte jetzt mal 1 Minute Zeit nehmen, folgendes selbst zu prüfen: wann hat die Führung was entscheiden (also getan), dessen Meinung man überhaupt nicht war?
Und, hat man es angesprochen ggf. sogar versucht zu klären oder dann sie etwas wiederwillig daran gehalten?

Nach einer Minute nachdenken bitte weiter lesen…

Eigentlich könnte man meinen eine Entscheidung aus einer Führung ist sehr schnell.
Info – Nachdenken – Zack, entschieden – Kommuniziert. 1 Minute? 5 Minuten? 1 Nacht drüber schlafen?

Leider kann reicht es nicht das bis zur Entscheidung zu messen, sondern es muss dafür die Zeitspanne bis zur kompletten Umsetzung betrachtet werden.

Wenn die Führung entschließt, dass im Büro nur noch Businesskleidung getragen werden darf, dann würd der Widerstand erst mal hoch sein (Flurfunkt, Aufregung, Empörung, etc.).
Natürlich können jetzt Strafen verhängt werden aber dann wollen wir auch keine mündigen Kollegen sondern Arbeiter.

Wenn das Problem ist, dass Großkunden oft im Büro unterwegs sind und diese selbst im Businessdress kommen und das etwas mit Respekt zu tun hat, dann kann man sich jetzt überlegen, wie eine gute Lösung aussehen kann. Wenn die Betroffenen eine Lösung dafür finden wird diese sicherlich mehr unterstützt und umgesetzt.
Obwohl das Treffen der Entscheidung länger gedauert hat, war die Umsetzung viel schneller.

 

Fazit

Transparenz ist eine Basis um bestmögliche Entscheidungen auf der direkten Ebene der Wertschöpfung zu ermöglichen. Und wer schöpft den Wert? Die die die Arbeit erledigen.

Eine globalisierte und digitale Marktwirtschaft dreht sich schnell und wird sich vermutlich eher eher noch schneller drehen als wieder langsamer. Unternehmen können nicht wissen was da alles kommt aber sie können auf die Veränderung reagieren.
Das haben erfolgreiche Unternehmen immer schon gemacht, jetzt passt sich halt die Geschwindigkeit und Komplexität etwas an.

Als Kollegen können wir Entscheidungen treffen, dokumentieren und regelmäßig prüfen ob diese Entscheidungen und die damit bestehenden Annahmen über die Welt da draußen noch sinnvoll sind. Mit Experimenten werden diese Annahmen nicht nur überprüft, nein es wird – wie in der Wissenschaft – versucht diese zu Wiederlegen. Alles um dann wieder daraus zu lernen und neue Entscheidungen zu fällen.

Wenn wir das mit dem Fokus unserer Wertschöpfung tun, dann verbessern wir uns automatisch, Stück für Stück ohne lange Entscheidungsketten und Widerstände.

Und Transparenz ist einfach nur ein kleiner Basisbaustein darin.

 

Wo hätte diese Woche Transparenz geholfen?
Und was kann man selbst heute dafür tun?

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